Warum wir dringend weniger Meinungen brauchen – eine radikale Idee
Claudia SchmidtWarum wir dringend weniger Meinungen brauchen – eine radikale Idee
Meinungen fluten mittlerweile jeden Winkel des Lebens. Talkshows, Podcasts und Online-Foren produzieren sie ohne Pause. Die Welt scheint einen unerschöpflichen Vorrat davon zu haben – und stillschweigend seine Gedanken für sich zu behalten, wird immer seltener.
Allein in der vergangenen Woche sah sich der Autor einer Flut von Standpunkten ausgesetzt: zum Nahostkonflikt, zu Windrädern und sogar zur Frage, ob Ananas auf Pizza gehört. Der unablässige Strom ließ kaum Raum für Stille. Als spielerische Gegenmaßnahme schlägt er vor, jede Person auf nur drei Meinungen pro Tag zu beschränken.
Zugleich hinterfragt der Autor die Vorstellung, die Natur biete einen Rückzugsort ohne Bewertung. Stattdessen entwirft er ein Szenario, in dem die Natur selbst klare Positionen bezieht: Ein Schlafzimmer-Kaktus, Stechmücken und Sonnenblumen äußern sich ungeniert über menschliches Verhalten. Selbst das Mittelmeer sortiert Urlauber nach ihren Taten.
Am Ende steht Skepsis gegenüber achtsamem Atmen als Allheilmittel. Doch das eigentliche Bild bleibt haften: eine Welt, die überquillt vor Meinungen – selbst aus unerwarteten Ecken. Die Idee, sie zu rationieren, wirkt absurde, regt aber zum Nachdenken an.
