Vom kasachischen Dorf zur deutschen Meisterschaft: Ein Leben zwischen zwei Welten
Hannah FuchsVom kasachischen Dorf zur deutschen Meisterschaft: Ein Leben zwischen zwei Welten
Alexander Neufelds Leben erstreckt sich über Kontinente, Kulturen und Karrieren. Geboren in Kasachstan in einer russlanddeutschen Familie, zog er in den frühen 1990er-Jahren als Kind nach Deutschland. Heute ist er verbeamteter Grundschullehrer und erfolgreicher Gewichtheber – ein Werdegang geprägt von Migration, Sport und tiefen persönlichen Bindungen.
Neufeld wuchs in Komsomolez auf, einem kleinen Dorf in der Region Kostanay in Kasachstan, das heute Karabalyk heißt. Sein Vater, selbst Gewichtheber, brachte ihm den Sport früh näher. Die Entscheidung der Familie, Kasachstan zu verlassen, fiel Anfang der 1990er-Jahre – als Teil der Welle russlanddeutscher Aussiedler, die in ihre historische Heimat zurückkehrten. Am 6. Juni 1991 kam Neufeld mit der Familie seines Vaters in Deutschland an; die Verwandten seiner Mutter folgten später.
Zunächst ließen sie sich in Dortmund-Nette, Nordrhein-Westfalen, nieder, bevor sie nach Eberbach-Pleutersbach in Baden-Württemberg umzogen. 1998 machte Neufeld seine Kindheitsleidenschaft zum Beruf und war bis 2016 als Gewichtheber aktiv. Zu seinen Erfolgen zählten mehrere deutsche Meistertitel sowie eine Silbermedaille bei den Junioren-Europameisterschaften.
Noch heute ist er dem Sport verbunden: Mit 45 Jahren hält er den Titel des Deutschen Meisters in der Altersklasse 40–45. Neben dem Gewichtheben arbeitet Neufeld als Grundschullehrer – ein Beruf, der ihn tief erfüllt. Obwohl er längst in Deutschland angekommen ist, spürt er die Verbindung zu seinen Wurzeln: die Einfachheit Kasachstans, die weiten Landschaften und die engen Gemeinschaften fehlen ihm bis heute.
Ein steter Begleiter auf diesem Weg war sein langjähriger Freund Johann Martin. Martin stand ihm während seiner Gewichtheberkarriere zur Seite und ist bis heute eine wichtige Stütze in seinem Leben.
Neufelds Geschichte verbindet zwei Welten. Er fühlt sich als Deutscher, doch prägt ihn das kulturelle Erbe seiner russisch-kasachischen Herkunft. Seine Erfolge im Sport und in der Bildung zeugen von einem Leben, das auf Widerstandskraft, Anpassungsfähigkeit und beständigen Beziehungen aufgebaut ist.






