Dieter Nuhrs Femizid-Witze entfachen Debatte über Satire und Verantwortung
Hannah FuchsDieter Nuhrs Femizid-Witze entfachen Debatte über Satire und Verantwortung
Der Komiker Dieter Nuhr hat mit Witzen über Frauen und Femizide in seiner jüngsten ARD-Sendung für Aufsehen gesorgt. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der Deutschland jährlich zwischen 300 und 350 Femizide verzeichnet. Der Rundfunksender rbb verteidigte die Sendung als von der künstlerischen und satirischen Freiheit gedeckt.
In der Show machte Nuhr etwa den „Witz“, Parkplätze seien „strukturell zu klein“ für Frauen. Zudem schlug er vor, Frauen sollten ihren Partner vor dem Sex besser kennenlernen, um nicht ermordet zu werden – und verlagerte damit die Verantwortung auf die Opfer. Seine Comedy setzt Frauen häufig als Zielscheibe von Pointen ein.
Trotz der hohen Zahl an Femiziden behauptete Nuhr, es gebe kein systemisches Problem bei der Tötung von Frauen. Tatsächlich sind in 87 Prozent der Fälle aktuelle oder ehemalige Partner die Täter. Femiziden gehen meist langjährige Muster physischer Gewalt, psychologischer Kontrolle und frauenfeindlicher Einstellungen voraus.
Öffentlich-rechtliche Sender stehen in der Kritik, einer solchen „Satire“ eine Bühne zu bieten. Der ARD-Sender rbb räumte die Kontroverse ein, betonte jedoch, Nuhrs Arbeit falle unter die Kunstfreiheit.
Die Debatte zeigt die Spannung zwischen Meinungsfreiheit und der Darstellung geschlechtsspezifischer Gewalt in den Medien. Nuhrs Aussagen und die Verteidigung seiner Sendung haben breite Aufmerksamkeit erregt. In Deutschland werden weiterhin jährlich Hunderte Femizide verübt – meist durch (Ex-)Partner.
