Wie Volkswagen seine globale Logistik in 20 Jahren revolutionierte
Claudia SchmidtWie Volkswagen seine globale Logistik in 20 Jahren revolutionierte
Die Volkswagen Group hat ihre globalen Aktivitäten in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Was einst als ein kleineres Netzwerk mit fünf Marken und 100 Modellen begann, ist heute auf zwölf Automobilmarken und über 300 Fahrzeugtypen angewachsen. Hinter diesem Wachstum steht die Logistik, die eine immer komplexer werdende Lieferkette steuert und damit eine entscheidende Rolle spielt.
Thomas Zernechel leitet seit 2004 die Konzernlogistik des Unternehmens und hat in dieser Zeit Umstrukturierungen vorangetrieben, die die Art und Weise verändert haben, wie Volkswagen weltweit Bauteile und Fahrzeuge transportiert. Das Ausmaß der heutigen Operationen ist enorm: Täglich werden Millionen von Sendungen über Kontinente hinweg abgewickelt.
1997 umfasste das Volkswagen-Netzwerk noch fünf Marken und ein Produktionsnetz mit 120 Werken in über 30 Ländern. Bis 2017 hatte sich die Zahl der Marken auf zwölf verdoppelt – darunter Luxusmarken und Nutzfahrzeughersteller. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Modelle von 100 auf mehr als 300, also das Dreifache.
Auch die Absatzmärkte des Konzerns haben sich deutlich verschoben. 2016 wurde die Region Asien-Pazifik zum größten Markt und überholte damit Europa. Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte lieferte Volkswagen mehr Fahrzeuge außerhalb Europas aus als innerhalb der Region.
Die Logistik bewältigt heute schiere Dimensionen: Täglich werden rund 180 Millionen Bauteile und 40.000 fertige Fahrzeuge durch das System bewegt. Pro Jahr koordiniert die Gruppe Millionen von Lkw-Transporten, 100.000 komplette Zugladungen, 250.000 TEU an Seefracht sowie 2,3 Millionen Fahrzeuge, die mit RoRo-Schiffen verschifft werden. Trotz dieser Komplexität sind die Logistikkosten im Verhältnis zu den Gesamtfahrzeugkosten stabil geblieben oder sogar gesunken. Gleichzeitig haben sich die Lieferzeiten von der Bestellung bis zur Auslieferung verkürzt.
Um die Abläufe zu optimieren, entwickelte Volkswagen Discovery, ein cloudbasiertes Tool, das Transportbenachrichtigungen zwischen dem Unternehmen, Zulieferern und Spediteuren automatisiert. Das System standardisiert die Kommunikation, reduziert Verzögerungen und minimiert Fehler. Zudem hat der Konzern sein Liefernetzwerk umstrukturiert: Drei Cross-Docking-Standorte in Europa sowie gemeinsame Auslieferungszentren für Fertigfahrzeuge steigern die Effizienz.
Für die Zukunft plant Volkswagen eine weitere Automatisierung der Lieferkette. Künftige Systeme könnten autonomen Transport, algorithmenbasierte Logistik und sich selbst organisierende Netzwerke umfassen. In Afrika hingegen bleibt die Expansion begrenzt: Seit 2010 gab es keine neuen Produktionsstandorte – abgesehen vom bestehenden Werk in Südafrika.
Heute agiert die Volkswagen Group in einem globalen Maßstab mit einem Produktions- und Logistiknetz, das deutlich größer ist als noch vor 20 Jahren. Effizienzgewinne, digitale Werkzeuge und strategische Umstrukturierungen haben es geschafft, die Kosten trotz gestiegener Komplexität im Griff zu behalten. Mit fortschreitender Automatisierung und neuen Technologien wird sich die Lieferkette des Konzerns in den kommenden Jahren weiterentwickeln.






