Wie die DDR ein Ehepaar für ihren Freiheitsdrang bestrafte – und warum ihr Fall bis heute erschüttert
Claudia SchmidtWie die DDR ein Ehepaar für ihren Freiheitsdrang bestrafte – und warum ihr Fall bis heute erschüttert
1983 wurden die Bürgerrechtler Peter und Heidi Niebergall von den DDR-Behörden verhaftet, weil sie das Land verlassen wollten. Ihr Fall war Teil einer breiteren Repressionswelle gegen regimekritische Stimmen unter der SED-Herrschaft. Jahre später hielt Peter Niebergall seine Erlebnisse in der Autobiografie "Wir wollten raus" fest – ein schonungsloses Porträt des Lebens in der DDR.
Die juristischen Folgen ihrer Verhaftung betrafen nicht nur die Niebergalls. Ekkehard Kaul, der Staatsanwalt, der sie damals anklagte, wurde später wegen seiner Rolle bei ihrer Inhaftierung und anderer Machtmissbräuche verurteilt.
Peter und Heidi Niebergall wurden am 6. August 1983 gemeinsam mit anderen Aktivisten festgenommen. Sie hatten einen Ausreiseantrag in die Bundesrepublik gestellt – ein Schritt, den die DDR-Führung als subversiv betrachtete. Kaul, damals Staatsanwalt, warf ihnen "staatsfeindliche Hetze" vor, ein Standardvorwurf gegen Ausreisewillige.
Am 27. Oktober 1983 verurteilte das Bezirksgericht Berlin-Pankow Peter Niebergall zu einem Jahr und zwei Monaten Haft. Auch seine Frau Heidi musste rechtliche Konsequenzen fürchten. Das harte Urteil spiegelte den Willen des Regimes wider, jeden Widerstand im Keim zu ersticken.
Niebergalls politisches Erwachen begann bereits 1968, als sowjetische Truppen den Prager Frühling niederschlugen. Die brutale Zerschlagung der Reformbewegung bestärkte sein Misstrauen gegenüber autoritären Systemen. Sein späteres Engagement und der Fluchtversuch machten ihn zur Zielscheibe des Regimes.
Nach der Wiedervereinigung rollte die Justiz Unrechtsfälle aus der DDR-Zeit neu auf. 1998 verurteilte das Landgericht Berlin Ekkehard Kaul wegen Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten.
In "Wir wollten raus" schildert Niebergall später detailliert seine Erfahrungen. Das Buch analysiert die Unterdrückungsmechanismen der DDR-Führung und zeichnet ein schonungsloses Bild der "zweiten Diktatur" auf deutschem Boden.
Der Fall der Niebergalls steht exemplarisch für die Gefahren, denen sich Regimegegner in der DDR aussetzten. Ihre Inhaftierung und Kauls spätere Verurteilung belegen die systematischen Justizverbrechen des SED-Staates. Niebergalls Erinnerungen bewahren ihre Geschichte als Teil des historischen Gedächtnisses – und zeigen den persönlichen Preis des Widerstands gegen eine Diktatur.






