30 March 2026, 14:10

Syriens Übergangspräsident in Berlin: Hoffnung oder Rückfall in alte Muster?

Eine Karte von Syrien, die das Ausmaß des syrischen Bürgerkriegs zeigt, mit Regionen, die nach Konfliktstärke farbcodiert und mit Städtenamen und Distriktbezeichnungen beschriftet sind.

Syriens Übergangspräsident in Berlin: Hoffnung oder Rückfall in alte Muster?

Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa besucht diese Woche Berlin. Die Reise erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Aktivist:innen und Menschenrechtsorganisationen stärkere demokratische Garantien für das vom Krieg gezeichnete Land fordern. Viele befürchten, dass die neue Übergangsregierung bereits autoritäre Tendenzen zeigt.

Sophie Bischoff, Co-Vorsitzende der deutsch-syrischen Menschenrechtsorganisation Adopt a Revolution, bezeichnete die Einladung als positiven Schritt – allerdings nur, wenn er an klare demokratische Reformen geknüpft sei. Ohne verbindliche Auflagen, warnte sie, könnte die interimistische Führung wieder in repressive Strukturen zurückfallen. Der Sturz des Regimes von Baschar al-Assad im Dezember 2024 hatte Syrien ein kurzes Zeitfenster für Veränderung eröffnet. Bischoff sprach von einer historischen Chance, eine demokratische Zukunft aufzubauen. Gleichzeitig mahnte sie, dass die Übergangsregierung unter al-Scharaa bereits versucht habe, Kritiker:innen zum Schweigen zu bringen und Macht zu zentralisieren.

Adopt a Revolution, das seit 2011 die syrische Zivilgesellschaft unterstützt, übt Druck auf Deutschland aus, mehr zu unternehmen. Die Organisation fordert bessere rechtliche Absicherungen für Syrer:innen in Deutschland, die in ihre Heimat zurückreisen und Repressalien fürchten. Zudem drängt sie Berlin dazu, bei Wiederaufbauplänen lokale Gemeinschaften einzubinden, statt sich ausschließlich auf die Übergangsbehörden zu stützen.

Farhad Ahma vom syrischen Kulturzentrum PEL-Civil Waves teilte diese Bedenken. Er hinterfragte, warum Deutschland ausschließlich mit al-Scharaas Regierung zusammenarbeite und nicht mit der breiten Zivilgesellschaft. Bundeskanzler Friedrich Merz hingegen knüpft deutsche Unterstützung an die Wiederbelebung von Abschiebeabkommen – eine Bedingung, die Bischoff als kurzsichtig kritisierte.

International bleibt die Reaktion verhalten. Deutschland hat Projekte wie Ausbildung und Beschäftigung in Syrien (5 Millionen Euro für demokratische Governance) sowie eine von der EU geförderte Zivilgesellschaftsinitiative finanziert. Die Schweiz stockte im März 2026 zwar die humanitäre Hilfe auf, lehnt aber direkte Unterstützung für den Übergangsprozess ab. Die meisten Länder haben bisher keine konkreten Schritte über vage Besorgnisäußerungen hinaus angekündigt.

Al-Scharaas Besuch rückt Deutschland in den Mittelpunkt von Syriens fragiler Transition. Aktivist:innen beobachten genau, ob Berlin seinen Einfluss nutzen wird, um echten demokratischen Fortschritt einzufordern. Bisher bleiben Finanzhilfen und politisches Engagement jedoch begrenzt – und zivilgesellschaftliche Gruppen bestehen darauf, dass mehr getan werden muss, um eine Rückkehr zur Diktatur zu verhindern.

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