Neue Wehrpflicht-Formulare entfachen hitzige Debatte über Militärdienst in Deutschland
Hannah FuchsNeue Wehrpflicht-Formulare entfachen hitzige Debatte über Militärdienst in Deutschland
Ein neues Musterungsverfahren hat in Deutschland eine Debatte ausgelöst. Seit Januar 2023 müssen alle jungen Männer, die 2008 oder später geboren wurden, einen Fragebogen zur Wehrpflicht ausfüllen. Sowohl Kritiker als auch Befürworter haben auf jüngsten öffentlichen Veranstaltungen deutlich Stellung bezogen.
Die Bundeswehr zählt derzeit knapp 186.000 aktive Soldatinnen und Soldaten – damit ist bereits das für 2026 gesetzte Ziel der Wehrpflichtregelung erreicht. Bis 2035 soll die Truppe auf mindestens 255.000 Personen ausgebaut werden. Vorerst gelten grundlegende Fitnessprüfungen wie der „Eierkornrollgriff“ jedoch nur für Freiwillige, da die Kapazitäten begrenzt sind.
Auf einem Anti-Wehrpflicht-Festival richtete sich Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, mit einer Rede vor allem an junge Menschen. Sie rief zum Widerstand gegen die militärische Erfassung auf und erklärte: „Nein zum Wehrdienst, nein zur Militarisierung und nein zu einer Regierung, die Entscheidungen gegen euch und ohne euch trifft!“ Reichinnek fragte das Publikum zudem: „Wer von euch ist heute eigentlich freiwillig hier?“ Bis Anfang Mai hatten etwa ein Viertel der betroffenen jungen Männer den Fragebogen noch nicht ausgefüllt – ihnen drohen nun Bußgelder.
Daniel Lücking, politikwissenschaftlicher Berater der Linken und ehemaliger Soldat, bezeichnete die Wehrpflicht als überholt. Moderne Kriegsführung ermögliche es, dass bereits ein einziger Sabotageakt Millionen-Schäden anrichte – und das weit einfacher als früher. Lücking war während seines Einsatzes in Afghanistan im Bereich „operative Kommunikation“ – also Propaganda – tätig.
Das Musterungsverfahren ist zwar in Kraft getreten, doch die Umsetzung bleibt lückenhaft. Während die Bundeswehr ihre Reihen weiter ausbaut, formiert sich unterdessen Widerstand. Die Diskussion über Sinn und Durchsetzung der Wehrpflicht wird voraussichtlich anhalten.






