Marathon-Theater feiert in Deutschland ein überraschendes Comeback
Claudia SchmidtMarathon-Theater feiert in Deutschland ein überraschendes Comeback
Deutsches Theater erlebt ein Comeback der Marathon-Aufführungen
Immer häufiger kehren extrem lange Theaterstücke auf die deutschen Bühnen zurück – manche Inszenierungen dauern sieben Stunden oder länger. Dieser Trend folgt auf eine Phase kürzerer, pausenloser Produktionen während und nach der Pandemie. Doch nun ziehen epische Stücke wieder Publikum an – und sind oft schnell ausverkauft.
Das lange Theater hat in Deutschland eine lange Tradition. In den 1970er- und 1980er-Jahren führte das Aufkommen des Regietheaters zu ausgedehnten Aufführungen, darunter Robert Wilsons Einstein on the Beach, das 1976 uraufgeführt wurde. Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiel 1999 setzte noch einen drauf: Die Inszenierung dauerte zwölf Stunden.
Die Pandemie veränderte die Prioritäten – Theater setzten auf kürzere, pausenfreie Stücke, um mit dem Heimunterhaltungsboom mitzuhalten. Doch nun kehrt sich der Trend um. Die Münchner Kammerspiele zeigen bei den diesjährigen Berliner Theatertreffen Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen, ein siebenstündiges Epos. Die Berliner Volksbühne wird bald Peer Gynt wiederbeleben, dessen erster Teil einst allein acht Stunden dauerte. Im vergangenen Jahr brachte das Schauspielhaus Bochum Die Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne.
Nora Hertlein-Hull, Leiterin der Berliner Theatertreffen, erlebte das ultra-lange Theater erstmals 2007. Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein keine Spieldauern systematisch, doch die Nachfrage nach solchen Produktionen bleibt hoch. Die Tickets für die Theatertreffen 2023 waren rasant vergriffen – ein Beweis dafür, dass das Publikum theatralische Marathons nach wie vor schätzt.
Die Rückkehr zu langen Inszenierungen markiert eine Rückkehr zu den Theatertraditionen vor der Pandemie. Mit ausverkauften Häusern bei Stücken wie Wallenstein oder Peer Gynt wird deutlich: Deutsche Zuschauer:innen schätzen nach wie vor immersive, groß angelegte Inszenierungen. Der Trend spiegelt sowohl künstlerischen Ehrgeiz als auch das anhaltende Publikuminteresse an epischer Erzählkunst wider.






