17 March 2026, 08:07

Jobcenter scheitern an Langzeitarbeitslosen – Umfrage zeigt Systemversagen

Eine Liniendiagramm, das Trends in Gesamtarbeitslose, Stellenangebote und Kündigungen zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

Für fast jeden Zweiten ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Jobcenter scheitern an Langzeitarbeitslosen – Umfrage zeigt Systemversagen

Eine neue Umfrage offenbart tiefe Unzufriedenheit unter Langzeitarbeitslosen mit der Unterstützung durch die Jobcenter. Fast die Hälfte der Befragten gab an, dass die Beratungstermine kaum etwas an ihren Berufsaussichten änderten. Die Ergebnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem in Deutschland weitreichende Sozialreformen bevorstehen.

Die von der Bertelsmann Stiftung durchgeführte Studie befragte über 1.000 erwerbslose Menschen zwischen 25 und 50 Jahren, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld beziehen. Sie zeigt eine Kluft zwischen der wahrgenommenen Kompetenz der Mitarbeiter:innen und der tatsächlichen Hilfe für Arbeitssuchende auf.

Die Erhebung fand zwischen dem 15. April und 18. Juni 2025 statt und konzentrierte sich auf Personen, die länger als zwölf Monate auf Bürgergeld angewiesen waren. Zwar bewerteten über zwei Drittel das Jobcenter-Personal als hilfsbereit und fast drei Viertel als fachlich kompetent – dennoch fühlten sich viele vom System im Stich gelassen. Ein zentrales Problem war das Fehlen individueller Förderung, insbesondere für diejenigen, die mit mehreren Hürden kämpfen.

Fast die Hälfte aller Bürgergeld-Empfänger:innen – 46 Prozent – nannte Hindernisse wie gesundheitliche Probleme oder fehlende Qualifikationen. Die Bertelsmann Stiftung fordert nun eine grundlegende Neuausrichtung der Jobcenter-Strategien. Zu den Vorschlägen gehören persönliches Coaching, zielgerichtete Weiterbildungsangebote und direkte Arbeitsvermittlung, um diese Barrieren gezielt abzubauen.

Die Empfehlungen kommen genau in dem Moment, in dem der Bundestag eine Sozialreform beschlossen hat, die am 1. Juli 2026 in Kraft tritt. Das Bürgergeld wird dann durch ein strengeres System ersetzt, das schärfere Sanktionen für diejenigen vorsieht, die nicht mitwirken. Künftig können Leistungskürzungen drohen, wenn Betroffene ihre Pflichten bei der Stellensuche nicht erfüllen.

Für Arbeitslose ohne größere Vermittlungshemmnisse schlägt die Stiftung vor, die Jobcenter sollten stärker auf eigeninitiative Stellensuche drängen – selbst wenn dies die Zufriedenheit mit der Unterstützung verringern könnte, aber langfristig bessere Ergebnisse bringt.

Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich: Die Art und Weise, wie Jobcenter Langzeitarbeitslose unterstützen, muss sich ändern. Angesichts der 46 Prozent Empfänger:innen mit erheblichen Vermittlungshemmnissen könnten gezielte Maßnahmen wie Coaching und Qualifizierung einen echten Unterschied machen. Gleichzeitig werfen die anstehenden Reformen mit ihren verschärften Auflagen die Frage auf, wie sich die Neuerungen auf diejenigen auswirken werden, die bereits jetzt Schwierigkeiten haben, einen Arbeitsplatz zu finden.

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