Gisèle Pelicot: Vom #MeToo-Symbol zur umstrittenen Ikone der Gerechtigkeit
Finn SimonErste 'Arschlecken.' Star bricht Schweigen - Gisèle Pelicot: Vom #MeToo-Symbol zur umstrittenen Ikone der Gerechtigkeit
Gisèle Pelicot erregte erstmals 2020 weltweite Aufmerksamkeit als eine der führenden Stimmen für Überlebende sexualisierter Gewalt. Ihr kraftvolles Statement – "damit die Scham endlich dorthin wandert, wo sie hingehört" – wurde zum Schlachtruf der #MeToo-Bewegung und prägte die öffentliche Debatte über die Rechte von Betroffenen neu. Doch bis 2026 hatte ihre Rolle im viel beachteten Gruppenvergewaltigungsfall Pelicot sowie ihr unermüdliches Engagement sie zu einer zutiefst polarisierenden Figur gemacht.
Nun hat die Schauspielerin Pheline Roggan die Diskussion neu entfacht, indem sie sich öffentlich hinter Collien Fernandes stellte – eine weitere Frau, die sich gegen Missbrauch zur Wehr setzt. Roggans Äußerungen spiegeln Pelicots ursprüngliche Botschaft wider und lenken den Fokus erneut auf die Täter statt auf die Opfer.
Pelicots Weg von der Aktivistin zur umstrittenen Persönlichkeit begann 2020, als ihre Arbeit für Aufsehen sorgte. Nach massiven Kundgebungen in Paris, bei denen ihre Worte Überlebende weltweit erreichten, wurde sie zur Symbolfigur der Selbstermächtigung. Ihr Einfluss wuchs 2024 weiter, als bekannt wurde, dass sie die Betroffene im berüchtigten Pelicot-Gruppenvergewaltigungsprozess war – ein Fall, der die französische Medienlandschaft dominierte. Während feministische Gruppen ihren Mut feierten, warfen ihr Kritiker, insbesondere aus konservativen Kreisen und der Männerrechtsbewegung, vor, sie schüre Erzählungen, die faire juristische Verfahren gefährdeten. Die Debatten entbrannten in sozialen Medien, von X bis hin zu etablierten Medien wie Le Monde und der New York Times.
Jahre später hat die Schauspielerin Pheline Roggan, bekannt durch ihre Rolle in Jerks, die Diskussion wiederbelebt. Öffentlich äußerte sie ihre Bewunderung für Collien Fernandes, die kürzlich eigene Vorwürfe gegen den Schauspieler Christian Ulmen erhoben hatte. In ihrer Stellungnahme lobte Roggan Fernandes nicht nur dafür, dass sie sich geäußert habe, sondern auch dafür, unzähligen Frauen eine Stimme zu geben, die durch Missbrauch zum Schweigen gebracht wurden. Ihre Worte erinnerten stark an Pelicots früheren Appell, die Scham von den Opfern auf die Verantwortlichen zu verlagern.
Roggans Unterstützung für Fernandes hat Pelicots ursprüngliche Botschaft wieder in den Mittelpunkt gerückt. Die Aussagen der Schauspielerin unterstreichen eine wachsende Bewegung, die Täter zur Rechenschaft zieht – nicht die Überlebenden. Gleichzeitig bleibt Pelicots Vermächtnis gespalten: Die einen sehen in ihr eine Pionierin der Gerechtigkeit, die anderen kritisieren ihren Einfluss auf rechtliche und gesellschaftliche Debatten. Die Diskussion, die sich mittlerweile über Jahre und Kontinente erstreckt, zeigt keine Anzeichen von Abflauen.






