Europa verschärft Social-Media-Regeln für Minderjährige – Frankreich geht voran
Finn ZimmermannEuropa verschärft Social-Media-Regeln für Minderjährige – Frankreich geht voran
Mehrere europäische Länder drängen auf strengere Regeln für die Nutzung sozialer Medien durch Minderjährige. Die französische Nationalversammlung hat ein Verbot für unter 15-Jährige beschlossen, während deutsche Bundesländer über ähnliche Einschränkungen diskutieren. Unterdessen zielen EU-weite Vorschläge darauf ab, Altersgrenzen anzuheben und strengere Schutzmaßnahmen gegen suchterzeugende Funktionen für junge Nutzer durchzusetzen.
Frankreich hat eine klare Position bezogen, indem es ein Verbot sozialer Medien für Kinder unter 15 Jahren verabschiedete, das im September 2026 in Kraft treten soll – vorausgesetzt, der Senat stimmt zu. Dänemark setzt hingegen auf einen anderen Ansatz und verlangt stattdessen die Zustimmung der Eltern, anstatt eine starre Altersgrenze festzulegen. Die Niederlande werben für eine EU-weite Anhebung des Mindestalters von 13 auf 15 Jahre.
In Deutschland machte Schleswig-Holstein den Anfang mit einem CDU-Vorschlag, der ein Verbot für unter 16-Jährige vorsah, das später auf 14 Jahre mit verpflichtenden Alterskontrollen angepasst wurde. Niedersachsen und Thüringen fordern nun ein Verbot für unter 14-Jährige, während mehrere Bundesländer die Bundesregierung zum schnellen Handeln auffordern. Auf nationaler Ebene wurde eine Expertenkommission eingesetzt, deren Empfehlungen bis zum Sommer 2026 erwartet werden – konkrete Gesetze gibt es jedoch noch nicht.
Der Vorstoß für strengere Kontrollen erfolgt vor dem Hintergrund von Warnungen wie denen Niedersachsens Ministerpräsidenten Olaf Lies, der betont, dass Minderjährige schutzlos den suchterzeugenden Algorithmen und KI-gestützten Empfehlungen ausgesetzt seien. Die Europaministerin Melanie Walter schlug ein EU-weites Altersverifikationssystem unter Nutzung des EU-Digitalen-Identitäts-Wallets (EUDI) vor. Da viele Social-Media-Unternehmen in Irland ansässig sind, fordern die EU-Staaten zudem eine stärkere Durchsetzung des Digital Services Act (DSA), um Altersbeschränkungen durchzusetzen und suchtfördernde Funktionen für jüngere Nutzer zu deaktivieren.
Die geplanten Änderungen würden Plattformen verpflichten, datenschutzkonforme Altersüberprüfungen einzuführen. Falls die strengeren Regeln verabschiedet werden, könnten sie den Zugang junger Menschen zu sozialen Medien in ganz Europa grundlegend verändern. Der Ausgang hängt von anstehenden Abstimmungen in den nationalen Parlamenten und den Verhandlungen auf EU-Ebene ab.






