Ausbeutung in der Landwirtschaft: Saisonarbeiter leiden unter sklavenähnlichen Bedingungen
Hannah FuchsAusbeutung in der Landwirtschaft: Saisonarbeiter leiden unter sklavenähnlichen Bedingungen
Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft sind weiterhin extremer Ausbeutung ausgesetzt – mit Berichten über überlange Arbeitszeiten, illegale Lohnabzüge und menschenunwürdige Unterkünfte. Eine aktuelle Untersuchung deckte flächendeckende Missstände auf Dutzenden Höfen auf, obwohl es für einen Teil der Landarbeiter neue Tarifvereinbarungen gibt.
2023 waren rund 243.000 Saisonkräfte in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt, doch ihre genaue Zahl und Herkunft bleiben unklar. Viele von ihnen schuften unter härtesten Bedingungen, einige bis zu 70 Stunden pro Woche. Auf 36 Betrieben fanden Kontrolleure Arbeiter in beengten, katastrophalen Unterkünften vor – darunter ein 15 Quadratmeter großer Frachtcontainer in Hessen, der für über 2.000 Euro monatlich vermietet wurde.
Ein neuer Tarifvertrag sieht zwar eine Lohnerhöhung von 10 Prozent über 33 Monate für Landarbeiter vor. Ungelernte Saisonkräfte erhalten jedoch in den ersten vier Monaten weiterhin nur den gesetzlichen Mindestlohn. Auf einem Hof wurden Arbeitern fast 1.000 Euro illegal vorenthalten.
Der Deutsche Bauernverband fordert eine 20-prozentige Abschlag auf den Mindestlohn für ausländische Saisonarbeiter – ein Vorstoß, der von CDU und AfD unterstützt wird. Gleichzeitig hat die Bundesregierung die sozialabgabenfreie Kurzzeitarbeit von 70 auf 90 Tage pro Jahr ausgeweitet, wodurch die Beschäftigten ohne grundlegende Absicherung bleiben. Die Zahl der Kontrollen ist zudem drastisch gesunken: von knapp 1.200 im Jahr 2020 auf nur noch 274 im Jahr 2024.
Nicht alle Betriebe halten sich nicht an die Regeln, doch die dokumentierten Fälle deuten auf ein tief verwurzeltes Problem in der Branche hin. Die Missstände offenbaren anhaltende Versäumnisse bei der Aufsicht und beim Arbeitsschutz. Angesichts rückläufiger Kontrollen und wachsender rechtlicher Schlupflöcher bleiben Saisonarbeiter schutzlos der Ausbeutung ausgesetzt. Die Abhängigkeit des Sektors von billigen Arbeitskräften aus dem Ausland befeuert diese strukturellen Defizite weiter.






