09 May 2026, 14:11

AfD-Politiker Tillschneider lehnt deutsche Schuldverantwortung nach 1945 ab

Offenes Buch mit dichter Handschrift in einem Tagebuch eines deutschen Soldaten, der im Zweiten Weltkrieg getötet wurde.

AfD-Politiker Tillschneider lehnt deutsche Schuldverantwortung nach 1945 ab

Ein führender AfD-Politiker aus Sachsen-Anhalt hat mit der Ablehnung der seit langem etablierten deutschen Schuldverantwortung nach dem Zweiten Weltkrieg für Aufsehen gesorgt. Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der Partei, bezeichnete diese in einer Rede zum 81. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus als eine „intellektuelle Kapitulation“.

Tillschneider kritisierte die historische Rede Richard von Weizsäckers aus dem Jahr 1985, die einen Wendepunkt in der moralischen Auseinandersetzung Deutschlands mit seiner NS-Vergangenheit markierte. Er qualifizierte die Worte des damaligen Bundespräsidenten als Zeichen von Schwäche und argumentierte, die Deutschen hätten die Werte der Befreier nur aus psychologischer Labilität übernommen.

Darüber hinaus forderte er eine „normale deutsche Identität“ und berief sich dabei auf Franz Josef Strauß, der einst behauptet hatte, eine ewige Buße für die Vergangenheit sei nicht tragbar. Der AfD-Politiker ging noch weiter und bezeichnete den Verlust „weiter deutscher Kulturlandschaften“ als den wahren Preis der Befreiung – eine Aussage, die an frühere Parteipositionen anknüpft, die die militärische Niederlage als nationales Opfer stilisieren.

Mit Formulierungen wie „absurde Schuldkultur“ oder „imaginäre Kollektivschuld“ stellte sich Tillschneider bewusst außerhalb des seit Jahrzehnten geltenden Konsenses über die historische Verantwortung Deutschlands. Seine Äußerungen stellen ein zentrales Fundament der bundesrepublikanischen Nachkriegsidentität infrage.

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Tillschneiders Aussagen markieren einen gezielten Bruch mit der etablierten Erzählung von deutscher Schuld und Erinnerungskultur. Indem er historische Verantwortung als Last statt als Pflicht darstellt, reiht er sich ein in die breitere Bestrebung der AfD, das nationale Gedächtnis umzudeuten. Die Reaktionen auf seine Rede dürften die Debatte darüber, wie Deutschland mit seiner Vergangenheit umgeht, neu entfachen.

Quelle