Zuckersteuer 2028: Warum die Regierung mit geschönten Zahlen unter Druck gerät
Hannah FuchsZuckersteuer 2028: Warum die Regierung mit geschönten Zahlen unter Druck gerät
Die deutsche Bundesregierung treibt die Pläne für eine Zuckersteuer auf gesüßte Getränke ab 2028 weiter voran. Mit der Maßnahme sollen jährlich rund 450 Millionen Euro eingenommen werden. Doch aktuelle Daten zur Zuckerreduktion in Erfrischungsgetränken haben eine Debatte darüber ausgelöst, wie groß die Fortschritte tatsächlich sind.
Unterdessen hat sich Minister Alois Rainer (CSU) gegen die Steuer ausgesprochen und argumentiert, dass freiwillige Vereinbarungen mit Lebensmittelherstellern der bessere Weg seien.
Im Juni hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium eine Reduktion des Zuckergehalts in Erfrischungsgetränken um 15 Prozent zwischen 2018 und 2024 bekannt gegeben. Später zeigte sich jedoch in internen Berichten, dass der tatsächliche Wert nur bei 9,1 Prozent lag. In der Pressemitteilung des Ministeriums wurde zudem nicht erwähnt, dass diese Zahl aufgrund von Stichprobenproblemen und methodischen Mängeln unsicher war.
Die behaupteten 15 Prozent bezogen sich lediglich auf einen gewichteten Durchschnitt marktrelevanter Erfrischungsgetränke – nicht auf alle untersuchten Produkte. Unabhängige Forschungen des Max Rubner-Instituts ergaben zudem, dass sich der Zuckergehalt in gesüßten Getränken im selben Zeitraum nicht signifikant verändert hatte. Besonders besorgniserregend: Normale Erfrischungsgetränke in kindgerechter Verpackung enthielten 2024 sogar 23 Prozent mehr Zucker als noch 2019.
Kritiker werfen dem Ministerium vor, die ausbleibenden Fortschritte herunterzuspielen. Luise Molling von der Verbraucherorganisation Foodwatch erklärte, Beamte würden geringe Verbesserungen als großen Erfolg darstellen, um strengere Regulierungen zu vermeiden. Das Ministerium wies den Vorwurf zurück, einen falschen Eindruck erweckt zu haben.
Nach dem aktuellen Entwurf sollen Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter von der Steuer befreit bleiben. Bei einem Gehalt von fünf bis acht Gramm wäre ein Aufschlag von 26 Cent pro Liter fällig, während stark gezuckerte Getränke mit 32 Cent zusätzlich belastet würden. Die Steuer soll 2028 in Kraft treten, doch der Widerstand von Politikern wie Minister Rainer deutet auf weitere Diskussionen hin.
Trotz der Streitigkeiten über die Notwendigkeit der Zuckersteuer bleibt der Zeitplan für 2028 bestehen. Die jüngsten Zahlen zeigen nur begrenzte Fortschritte bei der Zuckerreduktion – insbesondere in Getränken, die sich an Kinder richten. Die Erfolgsmeldungen der Regierung werden infrage gestellt, was Zweifel aufkommen lässt, ob freiwillige Maßnahmen allein ausreichen, um spürbare Veränderungen zu bewirken.






