Streit um CDU-AfD-Foto: Wie ein Moment Berlins Politik erschüttert
Claudia SchmidtStreit um CDU-AfD-Foto: Wie ein Moment Berlins Politik erschüttert
Ein aktuelles Foto von CDU-Chef Guido Heuer und AfD-Kandidat Ulrich Siegmund bei einer Podiumsdiskussion hat in Berlin für Aufsehen gesorgt. Die Aufnahme, die die beiden Männer aufgrund eines defekten Mikrofons eng beieinander zeigt, hat scharfe Kritik anderer Parteien ausgelöst. Zudem hat sie die Debatte über die politische Isolation der AfD neu entfacht.
Das Bild verbreitete sich rasant in Berlins Politikkreisen. Heuer und Siegmund wurden in einem Moment praktischer Zusammenarbeit festgehalten – ihre Nähe wurde als Bruch des inoffiziellen „demokratischen Abstandsgebots“ gegenüber der AfD gedeutet. Eva von Angern von der Linken verurteilte die Szene mit den Worten, die Hand eines Demokraten dürfe niemals auf der Schulter eines AfD-Mitglieds ruhen.
Auch die Grünen teilten die Bedenken und argumentierten, das Foto erwecke den Eindruck, die CDU halte nicht mehr klaren Abstand zur AfD. Unter dem öffentlichen Druck veröffentlichte die CDU später sowohl eine Rechtfertigung als auch eine Entschuldigung für den Vorfall.
Die Kontroverse kommt zu einer Zeit, in der die AfD weiter an Zuspruch gewinnt. Aktuelle Umfragen sehen die Partei bei 29 Prozent – neun Punkte vor der CDU. Bei der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September gilt sogar eine absolute Mehrheit der AfD als möglich. Gleichzeitig hinterfragte TV-Moderator Markus Lanz die Praxis der offenen Ausgrenzung von AfD-Politikern und bezeichnete diese als zunehmend haltlos.
Das Foto ist zum Symbol für die bröckelnde politische Quarantäne um die AfD geworden. Der Aufstieg der Partei und die hilflose Reaktion der CDU zeigen, wie sich die Machtverhältnisse in der deutschen Politik verschieben. Beobachter halten einen Zusammenbruch des „demokratischen Abstandsgebots“ mittlerweile für immer wahrscheinlicher.






