Spätaussiedler-Zahlen sinken auf historisches Tief – warum die Ära der Massenmigration endet
Hannah FuchsSpätaussiedler-Zahlen sinken auf historisches Tief – warum die Ära der Massenmigration endet
Die Zahl der Spätaussiedler aus ehemaligen Sowjetrepubliken, die Deutschland aufnimmt, ist in den letzten drei Jahrzehnten stark zurückgegangen. In den 1990er-Jahren und Anfang der 2000er kamen noch Zehntausende jährlich ins Land, doch seitdem sind die Zahlen auf einen Bruchteil gesunken. 2025 wurden im Grenzdurchgangslager Friedland, der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für diese Gruppe, nur noch 4.238 Personen registriert.
Anfang der 1990er-Jahre verzeichnete Deutschland einen starken Zustrom von Spätaussiedlern: Über 200.000 Menschen kamen jährlich aus der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten. Viele von ihnen stammten aus Kasachstan, wo in den frühen 2000er-Jahren noch mehr als 38.000 Personen pro Jahr registriert wurden. Bis 2010 sank diese Zahl jedoch drastisch – auf nur noch 508 kasachische Spätaussiedler.
Der Rückgang setzte sich 2025 fort: Aus Kasachstan trafen lediglich 1.079 Menschen in Friedland ein. Im selben Jahr wurden dort zudem 2.562 Personen aus Russland, 381 aus der Ukraine und 80 aus Kirgisistan erfasst. Von den 6.209 geprüften Anträgen auf Anerkennung als Spätaussiedler wurden 3.700 bewilligt.
Fachleute führen den deutlichen Rückgang auf mehrere Gründe zurück: Zum einen ist das Potenzial an Migranten weitgehend ausgeschöpft, zum anderen gelten inzwischen strengere Aufnahmekriterien. Auch die verbesserten wirtschaftlichen Bedingungen in den Herkunftsländern und Deutschlands Fokus auf die Bewältigung von Integrationshürden – etwa Sprachbarrieren und die Anerkennung von Qualifikationen – spielen eine Rolle.
Friedland bleibt für Spätaussiedler die erste Anlaufstelle, wo sie registriert werden und erste Integrationshilfen erhalten. Der kontinuierliche Rückgang der Zahlen spiegelt tiefgreifende Veränderungen in den Migrationsmustern und der Politik wider. Mit weniger als 10.000 Neuankömmlingen pro Jahr in den letzten Jahren ist das Zeitalter der Massenumsiedlung aus der ehemaligen Sowjetunion damit endgültig vorbei.






