27 April 2026, 12:12

Sachsen-Anhalt vernachlässigt Lohnkontrollen – Niedriglöhne breiten sich aus

Eine Liniendiagramm-Illustration der Löhne in den Vereinigten Staaten mit begleitendem erklärendem Text.

Sachsen-Anhalt vernachlässigt Lohnkontrollen – Niedriglöhne breiten sich aus

Lohnkontrollen in Sachsen-Anhalt stark geschwächt – seit drei Jahren auf Talfahrt

Neue Zahlen zeigen: In Sachsen-Anhalt haben sich die Überprüfungen von Lohnstandards in den vergangenen drei Jahren drastisch verschlechtert. Es gibt weniger Kontrollen, weniger Betriebsprüfungen – und gleichzeitig verbreitet sich Niedriglohnarbeit in der Region. Kritiker warnen, dass Personalmangel Arbeitnehmer und Unternehmen weitgehend ohne Aufsicht lässt.

Im Jahr 2025 verdient fast ein Viertel aller Beschäftigten in Sachsen-Anhalt weniger als 15 Euro pro Stunde. Besonders prekär ist die Situation in nicht tarifgebundenen Betrieben: Hier liegt der Anteil der Beschäftigten unter dieser Grenze bei 35 Prozent. Der gesetzliche Mindestlohn beträgt derzeit 13,90 Euro und soll bis 2027 auf 14,60 Euro steigen.

Doch die Durchsetzung von Arbeits- und Zollvorschriften ist massiv zurückgegangen. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) führte 2025 nur noch 691 Betriebsprüfungen durch – 2022 waren es mit 1.598 fast doppelt so viele. Auch Zollkontrollen sanken auf 42,4 Prozent des Niveaus von 2022. Bei der aktuellen Quote muss ein durchschnittlicher Betrieb in der Region statistisch nur alle 90 Jahre mit einer Zollprüfung rechnen. Landwirte werden noch seltener kontrolliert: hier steht eine Überprüfung im Schnitt alle 234 Jahre an.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Der Rückgang der Überwachung fällt zusammen mit einem schwindenden Unternehmensbestand. Die Zahl der registrierten Firmen sank von 65.738 im Jahr 2022 auf 62.211 im Jahr 2025. Der Linken-Abgeordnete David Schliesing spricht von einer "Kontrollblindheit" und macht massive Personalengpässe dafür verantwortlich. Er fordert nun spezielle Staatsanwälte für Lohnverstöße sowie dringend Verstärkung für die Zollteams.

Angesichts historisch niedriger Kontrollquoten und weit verbreiteter Unterbezahlung wachsen die Forderungen nach schärferen Maßnahmen. Der aktuelle Mindestlohn liegt weiterhin unter 15 Euro, und Unternehmen sehen sich kaum Überprüfungen ausgesetzt. Ohne Gegensteuer droht die Kluft zwischen Lohnstandards und deren tatsächlicher Durchsetzung weiter zu wachsen.

Quelle