"Richi"-Meme löst Debatte über Einwilligung und Kommerz aus
Ein Jahrzehntealtes Schweizer Meme hat eine neue Debatte über Einwilligung und kommerzielle Nutzung entfacht. Der "Richi"-Clip, der 2010 einen Jungen zeigt, der von einem Bagger fällt, ging nach seiner Verwendung in einer SRF-Dokumentation viral. Nun wehrt sich die betroffene Familie gegen nicht autorisierte Merchandise-Artikel, Lieder und öffentliche Bezüge zu diesem Moment.
Das Meme entstand 2010 während einer Folge der SRF-Serie "Auf und davon", die den Umzug der Familie Schönbächler nach Kanada begleitete. In der Szene rutscht der fünfjährige Richi vom Bagger, woraufhin sein Vater Hermann auf Schweizerdeutsch ruft: "Richiii! I ha gseit, du söusch di guet häbe!" Der Ausschnitt erreichte über eine Million Aufrufe auf YouTube und wurde zu einem kulturellen Phänomen in der Schweiz.
Im Laufe der Jahre inspirierte der Clip eine Vielzahl von Produkten: Socken, Bügelaufkleber und ein Kinderbuch griffen das Filmmaterial oder den Spruch auf. 2022 veröffentlichte die Band Stubete Gäng ein Lied namens Richi, das die originale Tonaufnahme enthielt. Selbst Studenten wie Leon Schüep und Florens Moor entwickelten ein Kartenspiel zum Meme. Trotz seiner Beliebtheit gibt es keine Hinweise darauf, dass der Trend über die Schweizer Grenzen hinaus bekannt wurde.
Im März meldete sich die Familie Schönbächler zu Wort und kritisierte die kommerzielle Verwendung ihres Bildes ohne Erlaubnis. Sie beschrieb, wie sie von ständigen Anfragen überrollt wurde und sich Sorgen um die Privatsphäre ihrer Kinder machte. SRF präzisierte später, dass zwar teilweise Rechte am Filmmaterial lägen, die Familie aber die Kontrolle über ihre Stimmen und Abbildungen behalte.
Einige Unternehmen haben bereits reagiert: Der Schweizer Eishockeyverband verzichtet seitdem auf den "Richi"-Ruf als Torhymne, und Stubete Gäng kündigte an, ihr Lied neu aufzunehmen – diesmal ohne Hermann Schönbächlers Stimme. Dennoch verkauft Swissmeme weiterhin "Richi"-Themenartikel und verhandelt mit SRF über die Nutzung des Materials.
Der Protest der Familie hat bereits Veränderungen bewirkt: Einige Marken und Organisationen zogen "Richi"-Inhalte zurück, das Lied der Band wird überarbeitet, und der Eishockeyverband strich das Meme aus seinen Feierlichkeiten. Doch die Gespräche mit SRF und Händlern wie Swissmeme dauern an – die Zukunft der kommerziellen Nutzung des Memes bleibt ungewiss.






