Osnabrücks neues Peace Lab stellt sich dem ambivalenten Erbe Calmeyers
Finn SimonOsnabrücks neues Peace Lab stellt sich dem ambivalenten Erbe Calmeyers
Im Spätherbst 2023 entsteht im Osnabrücker Museumsquartier ein neuer kultureller Begegnungsort: das Peace Lab. In einer historischen Villa angesiedelt, widmet es sich der Frage demokratischer Widerstandsfähigkeit und setzt sich zugleich mit dem umstrittenen Erbe von Hans Georg Calmeyer auseinander – einer Persönlichkeit, die während des Holocaust sowohl mit Rettung als auch mit Versagen in Verbindung gebracht wird. Dem Projekt gingen intensive Diskussionen voraus, darunter ein Symposium 2022, das seine ambivalente Rolle auslotete.
Die Villa am Heger Tor, einst nach einer Hermes-Statue benannt, die Kaiser Franz Joseph I. stiftete, beherbergt künftig das Peace Lab sowie eine Dauerausstellung über Calmeyer. Der ursprüngliche Name des Gebäudes sorgte für Debatten, da seine Geschichte mit dem Nationalsozialismus verknüpft ist. Arbeitsgruppen erarbeiten derzeit neue Namensvorschläge, die zunächst vom Projektbeirat geprüft und anschließend dem Osnabrücker Stadtrat vorgelegt werden sollen.
Im Oktober 2022 beleuchtete ein Symposium Calmeyers Handeln während der deutschen Besetzung der Niederlande sowie übergreifende Themen wie Rettung, Kollaboration und die Erinnerungskultur nach 1945. Die Emotionen kochten hoch, als Teilnehmer:innen widersprüchliche Perspektiven und persönliche Schicksale im Zusammenhang mit der Shoah teilten. Die Ergebnisse der Tagung fließen nun in die Konzeption der Ausstellung ein, begleitet von den Empfehlungen eines binationalen wissenschaftlichen Beirats.
Dessen Expertise prägt nicht nur die inhaltliche Ausrichtung der Ausstellung, sondern auch die künftige Namensfindung für die Villa. Ziel ist es, das Peace Lab als Ort informierter Debatten zu etablieren – gestützt auf historische Forschung und die zentralen Erkenntnisse des Symposiums.
Das Peace Lab soll ein Raum für kritische Reflexion über Demokratie, Widerstand und moralische Ambivalenzen werden. Seine Ausstellungen und Programme basieren auf wissenschaftlicher Forschung, öffentlichen Diskursen und der eigenen belasteten Geschichte des Gebäudes. Die Verantwortlichen kündigten an, im Vorfeld der Eröffnung 2023 weitere Details bekannt zu geben.