NDR kämpft um Enthüllungen: Der Fall Julian Reichelt vor Gericht
Der Rechtsstreit um die Vorwürfe gegen den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt wird sich 2026 weiter zuspitzen. Der deutsche Rundfunksender NDR treibt eine vollständige Gerichtsverhandlung voran, um zensierte Passagen eines investigativen Berichts aus dem Jahr 2023 wiederherzustellen. Der Fall, der mit den Enthüllungen des Spiegel im Jahr 2022 begann, wirft weiterhin zentrale Fragen auf.
Die Kontroverse war erstmals eskaliert, als der Spiegel über Reicheltes Verhalten bei Bild berichtete und damit eine interne Untersuchung des Verlags Axel Springer auslöste. Mehrere Frauen behaupteten, nach ihren Aussagen berufliche Konsequenzen erlitten zu haben. Reichelt bestreitet seit jeher jegliches Fehlverhalten und stellt sich als Opfer eines politisch motivierten Angriffs dar.
2023 strahlte die ARD in der Sendung Reschke Fernsehen einen Beitrag aus, der nahelegte, dass Reicheltes mutmaßlicher Machtmissbrauch schwerwiegender war als bisher bekannt. Darin wurde ihm vorgeworfen, Frauen zu sexuellen Beziehungen gedrängt zu haben. Der Beitrag wurde später jedoch aus der ARD-Mediathek entfernt – begründet mit der zweijährigen Aufbewahrungsfrist. Reichelt erwirkte eine einstweilige Verfügung, die zur gerichtlichen Anordnung führte, kritische Abschnitte des Berichts zu schwärzen.
Nun bringt der NDR den Fall vor ein vollständiges Gerichtsverfahren. Der Sender will die Wahrheit der zensierten Vorwürfe beweisen und die ursprüngliche Berichterstattung wiederherstellen. Zeuginnen, darunter eine Frau, die behauptet, Reichelt habe sie zu einer Beziehung genötigt, sollen aussagen. Die öffentliche Prüfung dieser Schilderungen könnte für Axel Springer unangenehm werden, da frühere interne Untersuchungen die Vorwürfe nicht umfassend aufgeklärt haben.
Das deutsche Justizsystem ist bekannt für seine Langsamkeit, besonders in Presserechtsfällen. Stand Frühjahr 2026 ist unklar, wie viele Affären Reichelt mit Untergebenen hatte oder ob er seine Position für sexuelle Gefälligkeiten ausnutzte. Die anstehenden Gerichtsverfahren werden entscheiden, ob die geschwärzten Passagen des Reschke Fernsehen-Berichts vollständig veröffentlicht werden dürfen. Der NDR setzt sich für Transparenz ein und könnte damit eine tiefere Auseinandersetzung mit den Vorwürfen gegen Reichelt erzwingen. Das Ergebnis könnte auch Aufschluss darüber geben, wie Axel Springer mit den ursprünglichen Beschwerden von Frauen im Unternehmen umgegangen ist.






