Münchens "Bayernkult": Warum Lahav Shani mit "Servus" begrüßt wird
Claudia SchmidtMünchens "Bayernkult": Warum Lahav Shani mit "Servus" begrüßt wird
München begrüßt seinen neuen Musikdirektor Lahav Shani auf eine Weise, die den typisch Münchner Umgang mit kultureller Integration widerspiegelt. Statt auf multikulturelle Parolen zu setzen, bevorzugt die bayerische Landeshauptstadt es, fremde Einflüsse mit eigenen Traditionen zu verbinden – eine Methode, die manche als "Bayernkult" bezeichnen.
Als Simon Rattle die Leitung der Berliner Philharmoniker übernahm, empfing ihn die Hauptstadt mit einer weltoffenen "Willkommen!"-Kampagne. München hingegen geht einen anderen Weg. Der Vorschlag, Shani mit "Schalom" – in Anlehnung an seine israelischen Wurzeln – zu begrüßen, wurde zugunsten eines lokaleren Akzents verworfen.
Shani ist bereits auf Werbematerialien mit dem unter seinem Porträt platzierten "Servus!" zu sehen – einem traditionellen bayerischen Gruß. Dies folgt einem Muster, das sich schon früher zeigte: Rattle dirigierte einst in München eine "Symphonische Hoagascht", eine spielerische Anspielung auf den regionalen Dialektausdruck für ein geselliges Beisammensein. Selbst Ministerpräsident Markus Söder lässt sich gelegentlich einen "Söder-Döner" schmecken – ein nach ihm benannter Döner, der türkische Küche mit bayerischer Identität verbindet.
Der Ansatz verzichtet auf offene Multikulturalität. Stattdessen integriert München äußere Einflüsse, ohne die eigenen Traditionen in den Hintergrund treten zu lassen.
Shanis Ankunft ist ein weiteres Beispiel für Münchens "Bayernkult" in Aktion. Die kulturelle Integration der Stadt setzt auf lokale Bräuche statt auf globale Gesten. Fürs Erste scheinen die Münchner Philharmoniker und ihr Publikum mit diesem Gleichgewicht zufrieden.






