04 April 2026, 12:08

Joey Skaggs' genialer Aprilscherz narrt seit 40 Jahren die Weltpresse

Zeichnung eines Mannes mit Zylinder und Frack vor einer Menge, mit einem Pfahl und einem Zaun im Hintergrund, beschriftet mit "Aprilscherz" unten.

Joey Skaggs' genialer Aprilscherz narrt seit 40 Jahren die Weltpresse

Seit fast vier Jahrzehnten narrt Joey Skaggs die Medien mit seinem jährlichen Aprilscherz-Umzug in New York City. Was 1986 als harmloser Streich begann, hat sich längst zu einer festen Tradition entwickelt – und zieht regelmäßig die Aufmerksamkeit von über 20 großen Medien wie der New York Times, BBC News und dem Guardian auf sich. Jahr für Jahr erscheinen Reporter, manchmal sogar mit Marschkapellen im Schlepptau – nur um festzustellen: Es gibt keinen Umzug.

Die Idee entstand, nachdem das Sportmagazin Sports Illustrated 1985 mit einer erfundenen Geschichte über Hayden "Sidd" Finch, ein angebliches Pitching-Wunderkind der New York Mets, seine Leser an der Nase herumgeführt hatte. Inspiriert von diesem Coup beschloss Skaggs, die Bereitschaft der Medien zu testen, selbst das Absurdeste zu glauben. Seine erste Pressemitteilung 1986 versprach ein spektakuläres Ereignis – und tatsächlich strömten Journalisten herbei. Doch weder Wagen noch Darsteller tauchten auf.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich der Scherz zu einem ausgeklügelten Ritual. Skaggs verfasst detaillierte Pressetexte mit immer abstruseren Themen: von einer Y2K-Apokalypse-Party bis zu einem Donald-Trump-Doppelgänger-Wettbewerb. Die diesjährige Ausgabe kündigte einen Präsidial-Imitator als Spitzenreiter an, gefolgt von einer Vorführung eines Melania-Mockumentary und einer öffentlichen Lesung aus den Jeffrey-Epstein-Akten. Doch wie jedes Mal blieb das Event selbst aus.

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Mittlerweile ist der Streich zu einer kulturellen Reflexion geworden. Skaggs beschreibt seine Arbeit als eine Art Medienmalerei – er nutzt die Presse wie ein Künstler die Leinwand und verwandelt Scherze in Performance-Kunst. Sein Ziel: den Menschen ihr Recht auf Lachen angesichts von Autoritäten ins Gedächtnis zu rufen und sie mit ihrer angeborenen Albernheit zu versöhnen. Selbst internationale Medien sind schon darauf hereingefallen: Der chinesische Sender SinoVision strahlte 2015 einen vierminütigen Beitrag über den Umzug aus – ohne den Witz zu durchschauen.

Die Tradition wird oft mit anderen berühmten Aprilscherzen verglichen. 1998 etwa gaben David Bowie und der Schriftsteller William Boyd am 1. April eine Party zur Gründung eines erfundenen Verlags. Doch Skaggs' Umzug sticht durch seine Langlebigkeit und die schiere Zahl der Medien heraus – von CNN bis Vice –, die Jahr für Jahr auf den Köder hereinfallen.

Trotz jahrzehntelanger Enthüllungen bleibt der Aprilscherz-Umzug ein zuverlässiger Bluff. Journalisten kommen noch immer mit Kameras – und gehen mit leeren Händen wieder. Skaggs' Streich überdauert als Prüfstein für Medien Glaubwürdigkeit und als Feier des öffentlichen Skeptizismus. Und beweist damit: Manchmal ist das größte Spektakel das, das nie stattfindet.

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