16 April 2026, 16:09

Glasfaserausbau in Deutschland: Offener Netzzugang spaltet Branche und Regulierer

Plakat, das das Affordable Connectivity Program bewirbt, mit Text, der über 15 Millionen Haushalte angibt, die sich für schnelles Internet einsparen können, und einem Logo.

Glasfaserausbau in Deutschland: Offener Netzzugang spaltet Branche und Regulierer

Deutschlands Glasfasermarkt wächst rasant – mit fast 300 Anbietern, die neue Netze ausbauen. Doch mit dem zunehmenden Wettbewerb verschärfen sich die Debatten über offenen Netzzugang und Regulierung zwischen Branchenführern und Aufsichtsbehörden. Während die einen strengere Vorschriften fordern, setzen andere auf die Kraft des Marktes, um Fortschritte ohne staatliche Eingriffe zu erreichen.

Praktische Beispiele für offenen Netzzugang gibt es bereits: Deutsche GigaNetz hat Partnerschaften mit dem schwedischen Internetdienstanbieter Bahnhof und Westconnect geschlossen und zeigt damit, wie das Modell in der Praxis funktioniert. Gleichzeitig plant die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge, ihr Glasfasernetz bis 2030/2031 unter Open-Access-Bedingungen für Dritte zu öffnen.

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Auf einer kürzlichen Branchenveranstaltung räumte Steven Blount von EWE Tel ein, dass offener Netzzugang höhere Anfangsinvestitionen erfordert. Dennoch sei er unverzichtbar, um die Netzwerkauslastung zu maximieren. Frank Rosenberger von 1&1 Versatel verwies unterdessen auf die starke Nachfrage der Kunden: 83 Prozent der Kunden wünschten sich die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Anbietern wählen zu können.

Regulierungsbehörden drängen auf Veränderungen.Daniela Brönstrup von der Bundesnetzagentur (BNetzA) forderte eine stärkere Aufsicht für Fälle, in denen offener Netzzugang scheitert – darunter eine verpflichtende Verhandlungsregel im aktuellen Entwurf des Telekommunikationsgesetzes (TKG). Doch nicht alle teilen die Auffassung, dass mehr Regulierung nötig ist. Jürgen Rohr von Plusnet glaubt, der Markt werde sich schneller selbst korrigieren, als neue Regeln umgesetzt werden könnten. Marc Kahabka von VSE Net warnte davor, dass zusätzliche Standards für bestehende Netze praktische Schwierigkeiten mit sich bringen würden.

Trotz der kontroversen Diskussionen setzt Plusnet bereits auf offenen Netzzugang und bereitet sich darauf vor, eigene Dienste über die Netze von OXG anzubieten. Zudem hat die Branche mit S/PRI eine standardisierte Schnittstelle eingeführt, um die Kompatibilität zwischen verschiedenen Glasfasernetzen zu vereinfachen.

Der Druck für offenen Netzzugang verändert den deutschen Glasfasermarkt – Anbieter schließen Kooperationen, während Behörden über schärfere Regeln nachdenken. Während die einen Regulierung als notwendig erachten, vertrauen andere auf den Wettbewerb als Treiber für Fortschritt. Das Ergebnis wird entscheiden, wie schnell Verbraucher mehr Auswahl und bessere Anbindungen erhalten.

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