Fünf Monate Zwangshaft ohne Urteil: Anette W. kämpft für Familienrechtsreform
Finn SimonFünf Monate Zwangshaft ohne Urteil: Anette W. kämpft für Familienrechtsreform
Anette W. verließ am Freitag nach fünf Monaten Zwangshaft das Frauengefängnis Hildesheim. Sie wurde nie wegen einer Straftat verurteilt, sondern inhaftiert, weil ihre Tochter sich weigerte, zu ihrem Vater zurückzukehren. Ihre Freilassung erfolgt, während sie weiterhin für eine Reform des Familienrechts kämpft.
Anette W.s Leidensweg begann im November 2025, als sie in Frankfurt festgenommen wurde. Auslöser war die Flucht ihrer Tochter vom Vater und deren Weigerung, dorthin zurückzukehren. Statt eines Prozesses ordnete ein Gericht 150 Tage Zwangshaft an.
Ihre ersten Tage verbrachte sie in einer Polizeizelle – ohne Bett, Uhr oder Beschäftigungsmöglichkeiten. Später wurde sie ins Gefängnis Hildesheim verlegt, wo sie feuchte, schimmelige Wände und chronischen Personalmangel vorfand.
Nach ihrer Entlassung traf sich der Jugendschutz mit Anette W. und stimmte zu, dass ihre Tochter bei ihr leben darf. Nun kämpft sie darum, das volle Sorgerecht für ihr älteres Kind zurückzuerlangen und den Kontakt zu ihrem jüngeren Kind wiederaufzubauen. Zudem unterstützt sie Forderungen nach der Abschaffung von Zwangshaft in Familiensachen – ihre eigenen Erfahrungen sieht sie als Beweis für die Schädlichkeit dieser Praxis.
Die Haft kostete sie mehr als nur Zeit: Sie verlor während der Inhaftierung ihre Wohnung. Anette W. steht nun vor der Aufgabe, ihr Leben und ihre Familie wieder aufzubauen. Ihre ältere Tochter darf bei ihr bleiben, doch der Kontakt zu ihrem jüngeren Kind muss erst noch gesichert werden. Gleichzeitig macht ihr Einsatz gegen Zwangshaft die langfristigen Folgen ihrer fünfmonatigen Inhaftierung deutlich.






