Europas 11-Milliarden-Wette: Wie ein Mega-Rechenzentrum in Brandenburg die digitale Souveränität stärken soll
Hannah FuchsEuropas 11-Milliarden-Wette: Wie ein Mega-Rechenzentrum in Brandenburg die digitale Souveränität stärken soll
Europa strebt danach, seine Abhängigkeit von US-amerikanischen und chinesischen Tech-Giganten zu verringern, indem es in die eigene digitale Infrastruktur investiert. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund, dass Unternehmen und Politiker die Notwendigkeit größerer Kontrolle über Daten, Rechenleistung und wirtschaftliche Unabhängigkeit betonen. Schwarz Digits, eine Tochter des Handelskonzerns Schwarz Group, geht mit einem ehrgeizigen Projekt voran: Einem 11-Milliarden-Euro-Rechenzentrum in Brandenburg.
Das Unternehmen hat Pläne für ein riesiges Datenzentrum in Lübbenau vorgestellt, das Platz für 100.000 Grafikprozessoren (GPUs) bieten soll. Die Anlage wird nicht nur die internen Datenbedürfnisse der Schwarz Group abdecken, sondern auch überschüssige Kapazitäten an externe Unternehmen vermieten. CEO Christian Schumann bezeichnete digitale Souveränität als die "wichtigste industriepolitische Herausforderung Europas in diesem Jahrzehnt" – nicht als Isolation, sondern als Grundvoraussetzung für wirtschaftlichen und politischen Einfluss.
Schwarz Digits baut eine eigene Cloud-Infrastruktur auf, um europäische Daten auf dem Kontinent zu halten. Durch den Einsatz von Open-Source-Technologie garantiert das Unternehmen Transparenz in der Software und eine lückenlose Nachverfolgbarkeit der Datenströme. Schumann argumentierte zudem, dass der EU AI Act und die DSGVO, wenn sie ausgewogen umgesetzt werden, Europa zu einer Führungsrolle in der verantwortungsvollen KI-Entwicklung verhelfen könnten.
Europas Bestrebungen nach digitaler Unabhängigkeit gewinnen an Fahrt. Unternehmen wie Nextcloud, Ionos und Hetzner treiben Projekte für souveräne Cloud-Lösungen voran, während Euro-Office – eine DSGVO-konforme Alternative zu Microsoft Office – mit Servern ausschließlich in der EU an den Start geht. Regionale Anbieter setzen auf ARM-basierte Chips des Herstellers Ampere Computing, und AWS kooperiert mit Colt, um eine European Sovereign Cloud zu schaffen. Analysten prognostizieren, dass der Markt für souveräne Cloud-Dienste bis 2030 ein Volumen von über 100 Milliarden Euro erreichen könnte.
Das 11-Milliarden-Projekt in Lübbenau markiert einen Meilenstein in Europas Bemühungen, technologische Abhängigkeiten abzubauen. Mit neuen Cloud-Diensten, DSGVO-konformer Software und heimischer Infrastruktur legt der Kontinent den Grundstein für mehr Kontrolle über die digitale Wirtschaft. Ob diese Initiativen gelingen, hängt davon ab, in den kommenden Jahren Regulierung und Innovation in Einklang zu bringen.






