23 May 2026, 20:08

Bergkirchweih in Erlangen: Warum klassische Partyschlager plötzlich als sexistisch gelten

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Bergkirchweih in Erlangen: Warum klassische Partyschlager plötzlich als sexistisch gelten

Erlangens berühmtes Bergkirchweih-Volksfest steht in diesem Jahr wegen seiner Musikauswahl in der Kritik. Die Stadt hat mehrere klassische Partyschlager als „sexistisch“ eingestuft und wirbt bei Wirten und Künstlern dafür, auf diese zu verzichten. Bei fast einer Million erwarteter Besucher hat die Debatte heftige Reaktionen von Musikern, Anwohnern und Politikern ausgelöst.

Auslöser des Streits war die Beschwerde einer Frau bei den Nürnberger Nachrichten, die sich auf dem Fest unsicher gefühlt habe. Sie schilderte, von aggressiven Männern begrapscht worden zu sein, und kritisierte die gespielten Lieder als unangemessen. Daraufhin prüften die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, eine Liste „problematischer“ Titel – darunter Hits von Mickie Krause und Peter Wackel sowie der Kultschlager Skandal im Sperrbezirk.

Bereits 2021 hatte sich der Stadtrat mit dem Thema befasst: Damals verurteilten Abgeordnete von CSU, Linken und SPD gemeinsam Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ auf dem Fest. Zwar kann Erlangen die Titel nicht verbieten, doch viele Wirte sind auf kommunale Unterstützung angewiesen – und stehen nun vor einem Dilemma. Einige zeigen sich skeptisch und fragen, ob die Einschränkungen zu weit gehen.

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Auch Künstler wehren sich. Peter Wackel, dessen Song Joana die Zeile Du geile Sau enthält, behauptet, viele Kollegen hätten mittlerweile „null Bock“, in Deutschland aufzutreten – wegen der neuen Regeln. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich die Situation gar mit der DDR: Selbst das SED-Regime habe von seiner Band nie Zensur gefordert.

Das Fest findet wie geplant statt, doch der Streit um die Musikauswahl bleibt ungelöst. Wirte müssen abwägen zwischen den städtischen Empfehlungen und der Gefahr, Gäste zu verlieren, die die gewohnten Partyschlager erwarten. Künstler und Besucher äußern unterdessen weiter Frust über das, was sie als wachsende Einschränkungen kultureller Freiheit wahrnehmen.

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