Angélica Liddells makabres Meisterwerk feiert Uraufführung bei den Wiener Festwochen
Claudia SchmidtAngélica Liddells makabres Meisterwerk feiert Uraufführung bei den Wiener Festwochen
Die Wiener Festwochen erkunden in diesem Jahr die Themen Leben, Tod und das Makabre. Die spanische Performancekünstlerin Angélica Liddell hat am Volkstheater ihr neues Werk Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben uraufgeführt. Die Produktion taucht ein in das Leben und den Tod jener, die sich bewusst für den Freitod entschieden haben.
Liddell lässt sich von einer eigenen Erfahrung inspirieren: 2024 wurde sie in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau. Ihre Compagnie, Atra Bilis Teatro, sammelte Kleidungsstücke der Verstorbenen, die nun in der Aufführung verwendet werden. Auf der Bühne trägt Liddell diese Kleidung, atmet ihren Duft ein und versucht so, das Leid der Toten heraufzubeschwören.
Die zweistündige Inszenierung verbindet Ästhetik des Nō-Theaters mit Liddells schonungsloser Performance-Kunst – voller Blut, schwarzem Humor und einer Nachstellung des rituellen Suizids des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima. Das Stück präsentiert zugleich eine ekstatische Rechtfertigung des Freitods als Teil seiner Erzählung.
Das übergeordnete Motto des Festivals lautet Republik der Götter, doch die dramaturgische Vielfalt lässt Raum für Werke wie Seppuku, die herausstechen. Liddells Ansatz verschmilzt Tradition mit roher, konfrontativer Erzählkunst. Die Produktion feierte nun im Rahmen der Wiener Festwochen Premiere am Volkstheater und nutzt die Kleidung der Toten, um eine gespenstische Verbindung zwischen Lebenden und Verstorbenen herzustellen. Mit ihrer kompromisslosen Auseinandersetzung mit Suizid und Sterblichkeit fordert das Stück das Publikum heraus.






