AfD zerrissen: Machtkampf um USA, NATO und Russland spaltet die Partei
Hannah FuchsAfD zerrissen: Machtkampf um USA, NATO und Russland spaltet die Partei
Ein erbitterter innerparteilicher Streit reißt die rechtspopulistische AfD in Deutschland auseinander. Im Mittelpunkt des Konflikts steht die Außenpolitik, wobei sich die Flügel der Partei über das Verhältnis zu den USA, der NATO und Russland uneins sind. Aktuelle Auseinandersetzungen um Truppenziehungen und Bündnisse haben tiefe Gräben offenbart – und die Sorge vor einer möglichen Spaltung geschürt.
Die Parteiführung hat zudem Schwierigkeiten, sich von umstrittenen Persönlichkeiten wie Martin Sellner zu distanzieren, dessen "Remigrations"-Pläne die AfD politisch weiter isoliert haben.
Die jüngste Zuspitzung begann, als der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla den Abzug der US-Truppen aus Deutschland forderte. Seine Äußerungen bei einer Veranstaltung 2026 in Sachsen lösten sofortige Kritik aus. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah widersprach Chrupalla öffentlich und betonte, Deutschland brauche "starke Partner" wie die USA. Später argumentierte Krah, die extremen Positionen der Partei hätten nur den von anderen Parteien verhängten politischen Quarantäne-Ring weiter verfestigt.
Ein weiterer Streitpunkt entstand, als Rüdiger Lucassen, der verteidigungspolitische Sprecher der AfD, der von Björn Höcke angeführten prorussischen Fraktion vorwarf, ihn aus der Partei drängen zu wollen. Lucassen, ein entschiedener Befürworter westlicher Bündnisse, hatte Russland wiederholt als größte Bedrohung für die NATO bezeichnet – eine Haltung, die ihn innerhalb der eigenen Reihen zum Ziel von Angriffen gemacht hat.
Auch in jüngeren Konflikten kam der Dissens über die Beziehungen zu den USA zum Vorschein. Der Verteidigungsexperte Hannes Gnauck verfasste während der Iran-Krise eine proramerikanische Pressemitteilung – doch die Parteispitze blockierte deren Veröffentlichung. Unterdessen kritisierte Chrupalla den früheren US-Präsidenten Trump wegen "gebrochener Versprechen" und verschärfte so die internen Spannungen.
Seit ihrer Gründung 2013 hat sich die AfD von einer zurückhaltenden NATO-Skepsis zu einer offenen Ablehnung des Bündnisses gewandelt. 2026 fordern einige Strömungen nun sogar den Austritt Deutschlands aus der Allianz. Die Unfähigkeit der Partei, diese Gegensätze zu überwinden, hat sie zunehmend zersplittert – und politisch geschwächt.
Nun steht die AfD vor der Entscheidung zwischen ihrem westlich orientierten und ihrem prorussischen Flügel. Die Folgen der Streitigkeiten um US-Truppen, die NATO und Sellners "Remigrations"-Pläne haben die inneren Brüche offenbart. Ohne eine Lösung, warnen Beobachter, drohen der Partei weitere Isolation – oder gar ein formeller Bruch.






